Phänomen Bannerblindheit: Große Bilder werden nicht immer wahrgenommen.

Große Bilder und generell aufmerksamkeitsstarke Bildelemente werden im Webdesign eingesetzt, um als Eyecatcher zu wirken. Ziel ist dabei, beim Websitebesucher (überdurchschnittliche) Aufmerksamkeit zu erregen bzw. seine Aufmerksamkeit gezielt auf bestimmte Botschaften zu lenken. Wenn solche Bilder psychologisch geschickt, also hirnfreundlich, ausgesucht und platziert, funktioniert das auch sehr gut. Doch über Eyetracking und Befragungen im Rahmen von Usability-Tests fanden Forscher eine für die Erfolgsleistung einer Webseite bedeutsame Einschränkung heraus:

Wenn große Bilder oder andere Inhalte wie Werbung aussehen, werden sie von erfahrenen Internetnutzern automatisch ausgeblendet. Dieses wahrnehmungspsychologische Phänomen heißt Bannerblindheit.

Das interneterfahrene Gehirn nimmt diese Elemente oft gar nicht mehr bewusst wahr. Der Grund liegt in der gelernten Erfahrung, dass es sich bei großen Bildern sehr häufig um (unerwünschte oder gar verhasste) Werbebanner handelt. Elemente, die das Gehirn als Werbebanner versteht, behandelt es auch genauso wie Werbebanner. Die Erfahrung, die der Nutzer mit Werbebannern verbindet, wird 1:1 auf diese Bildelemente übertragen. Das passiert alles unbewusst.

Die Bewertungsinformation des Gehirns lautet: "Das Element xy ( - unbewusst als Werbebanner interpretiert - ) stört mich unnötig bei meinem Websitebesuch und lenkt mich von meinem ursprünglichen Vorhaben ab." Diese Erfahrung speichert das Gehirn ab und merkt es sich für ähnliche Situationen.

Für weitere Webseitenbesuche bedeutet das, dass  der Nutzer die großen Bilder zwar beiläufig sieht, aber nicht mehr bewusst wahrnimmt. Aufgrund der gespeicherten Erfahrung "weiß" das Gehirn nämlich, dass große oder auffällige Bilder unwichtige Informationen enthalten. Es lohnt sich also nicht, sich mit ihnen zu beschäftigen. Die über Eyetracking messbare Konsequenz: Das Auge überspringt die großen Bilder.

Wie erkenne ich, ob ein Bild Bannerblindheit auslöst?

Ob ein großes Bild oder auffällige (bannerähnliche) Bildelemente konkret auf IHRER Website Bannerblindheit auslösen, lässt sich ohne Analyse (Eyetracking) nicht sicher erkennen.

Aber es gibt einen ganz einfachen Trick oder Selbstest: Wenn Sie selbst den Eindruck haben, dass ein Bild zu sehr nach Werbung aussieht, nehmen Sie diesen subjektiven Eindruck als Indiz dafür, dass auch Ihre Websitebesucher den gleichen Eindruck bekommen. Die Gefahr der Bannerblindheit ist in dem Fall sogar sehr wahrscheinlich. Tauschen Sie das Bild aus und zwar so, dass es die umliegende Textbotschaft bestmöglich unterstützt oder verstärkt.

Hirnfreundlichkeits-Analyse für Ihre Webseite

Wenn Sie interessiert, wie IHRE Webseite oder AdWords-Landingpage wahrnehmungspsychologisch wirkt, fragen Sie nach meiner Hirnfreundlichkeits-Analyse. Sie identifziert die wahrnehmungspsychologischen Hürden Ihrer Webseite. Und gibt Ihnen klare Tipps an die Hand, wie sich diese Hürden vermeiden lassen.

Was Sie gegen Bannerblindheit tun können

Bannerblindheit lässt sich nicht per se komplett vermeiden. Nutzer lernen recht schnell und durchschauen die Manipulationsversuche der Werbeindustrie recht schnell. Ihr Gehirn passt die Wahrnehmung automatisch an und filtert unerwünschte Inhalte einfach raus, macht sie quasi unsichtbar. Für große reichweitenstarke Websites ist das ein sehr ernstes Problem.

Bewegtbilder?

Mit Bewegtbildern (z.B. Slider) wird versucht, der Bannerblindheit entgegenzuwirken. Während "früher" große Bilder ausreichten, um die Aufmerksamkeit zu lenken, sind die modernen Internetnutzer erstaunlich resistent gegen werbeähnliche Bildinhalte und -formate.

Die Webdesign-Trends für 2015 zeigen, das reichweitenstarke Portale versuchen, mit großformatigen selbstabspielenden Videos (sog. Fullscreen Video-Backgrounds) experimentieren. Der Online-Bezahldienst PayPal war einer der Vorreiter, die schon 2014 auf ihrer Startseite den selbstabspielenden Video-Background einsetzten.

Als ich jetzt (März 2015) auf die PayPal-Website gehe, um mir diesen Video-Background mal genauer anzusehen, stelle ich fest: Kein Background-Video (mehr), sondern ein seitenfüllendes Bild... Das kann viele Gründe haben. Ich vermute jedoch, dass einer der Gründe die sinkende Nutzerzufriedenheit war. Und dass das Gestaltungsmittel Video-Background bei den Nutzern nicht gut ankam und nicht die erwünschten Erfolge brachte.

Bildsprache und Text gut aufeinander abstimmen

Stimmen die Bildsprache und den dazugehörige Text in ihrer Aussagekraft überein, wird die Wirkung verstärkt. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Botschaft tatsächlich in den bewussten Wahrnehmungsbereich des Websitenutzers gelangt, steigt dadurch.

Betrachten Sie Bilder und Texte in einem Sinnzusammenhang. Damit verbessern Sie auf jeden Fall die Nutzerzufriedenheit und liefern einen wichtigen Baustein für ein positives Besuchserlebnis. Dieser Aspekt wird übrigens auch für Ihr Ranking bei Google (Onpage-SEO) zunehmend relevanter...