Das Gehirn mag keine Veränderungen. Es ist sehr konservativ.

Wer Veränderungen in Unternehmen, Prozessabläufen - oder auch nur auf Websites - anstrebt, stößt schon intern häufig auf heftigen Widerstand und Gegenwind à la "Das haben wir bisher nicht gebraucht, dann brauchen wir es auch jetzt nicht"oder "Wir haben das schon immer so gemacht und unser Erfolg gibt uns Recht". Change Management gehört schon deshalb zu den Königsdisziplinen im Management, weil es allein mit betriebswirtschaftlich korrektem Vorgehen nicht gelingt, die Stakeholder - allen voran die Mitarbeiter - für die Veränderung zu gewinnen geschweigedenn zu begeistern. Jeder, der Veränderungen bewirken möchte, sollte sich mit der Tatsache vertraut machen, dass der Mensch kein moderner Homo Ökonomicus ist, der nach sachlichen Gesichtspunkten Entschediungen fällt. Sondern dass uralte, steinzeitliche Relikte auch heute noch die maßgeblichen Treiber für unser Verhalten sind.

Rituale und Traditionen leben noch lange weiter, auch wenn sie keiner Notwendigkeit mehr bedürfen. Das ist in unserem kulturellen Erbgut so vorgesehen. Evolutionsgeschichtlich ist es sinnvoll, alles was ist als gut zu bewerten - selbst wenn es unbequem ist oder sogar weh tut. Für den Höhlenmenschen konnte ein richtiger Schritt ins Ungewisse zwar eine enorme Verbesserung seiner Situation mit sich bringen. Aber nur ein falscher Schritt konnte auch den sicheren Tot bedeuten. Und Überleben ist der Natur nunmal wichtiger als jeglicher Komfort. Auch wenn dieses biologische Gedächtnis Hunderttausende von Jahren alt ist, prägt und "berät" es uns heute noch. Das ändert sich so schnell auch nicht. Das ist der Grund, warum unser Gehirn guten Erfahrung vergleichsweise wenig Bedeutung beimisst. Während unser Gehirn negative Erfahrungen deutlich überbewertet und lange "mitschleppt".